Bildquelle: Vincetoxicum Wikimedia Commons Benjamin Zwittnig
Im August ist der Gedenktag des Heiligen Laurentius. Er war ein römischer Diakon und Märtyrer, der im Jahr 258 n. Chr. unter Kaiser Valerian wegen seines Glaubens auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert wurde. Er war in Rom für die Armenfürsorge zuständig, sodass zu seinen Attributen neben dem Eisenrost als Marterwerkzeug und der Märtyrerpalme auch ein Beutel für Almosen zählen. Laurentius ist folgerichtig der Schutzpatron der Armen, aber auch der Köche, Bäcker, Feuerwehrleute, Glasbläser und Winzer. Nach dem Heiligen benannt ist auch das „Sankt-Lorenz-Kraut“, auch „Sankt-Lorenz-Wurzel“ oder „Weißer Schwalbenwurz“ genannt. Der botanische Name (Vincetoxicum hirundinaria) deutet auf die frühere Verwendung der Pflanze hin. „Vincetoxicum“ leitet sich vom lateinischen „vincere“ (besiegen) und „toxicum“ (Gift) ab. Früher verwendete man den Pflanzenextrakt nämlich als Heilmittel gegen Schlangenbisse – daher stammt auch der Volksname „Giftwende“.
Dahinter stand eine ebenso einfache wie verhängnisvolle Beobachtung: Da das Pflanzengift heftiges Erbrechen auslöst, glaubte man, auf diese Weise auch das Schlangengift aus dem Körper entfernen zu können. Tatsächlich wurde jedoch durch den Extrakt der Organismus zusätzlich belastet und insbesondere das zentrale Nervensystem angegriffen. Erwähnt wird die Pflanze bereits im spätmittelalterlichen Kräuterbuch des Nikolaus Frauenlob von Hirschberg im 15. Jahrhundert. Dort taucht unser „Sankt-Lorenz-Kraut“ allerdings unter dem Namen „Drachenwurz“ mit folgender Empfehlung auf: „Wer sich var gifft hüetten will: Man sal trackenwurcz sieden vnd darab trincken, das hilfft wider alle gifft.“ (Übersetzung: „Wer sich vor Gift hüten will: Man soll Drachenwurz sieden und davon trinken, das hilft gegen jedes Gift.“ Da das Kraut aber so giftig ist, findet es heute auf diese Weise natürlich keine medizinische Anwendung mehr.
Bildquelle: Vincetoxicum Wikimedia Commons Olivier Pichard
Bildquelle: Vincetoxicum Wikimedia Commons Krzysztof Ziarnek
Doch auch für Insekten kann die Pflanze zur tödlichen Gefahr werden. Ein leichter Aasgeruch lockt Fliegen zu ihren Blüten. Auf der Suche nach Nektar geraten deren Beine in einen schmalen Spalt und bleiben darin eingeklemmt. Nur kräftige Tiere können sich befreien und nehmen dabei ein klebriges Pollenpaket mit, das der Bestäubung dient. Schwächeren Fliegen gelingt die Flucht nicht: Sie bleiben in der Blüte gefangen und verenden dort.
Der ebenfalls gebräuchliche Volksname „Schwalbenschwanz“ oder „Schwalbenwurz“ wird vom lateinischen Wort „hirundo“ (Schwalbe) abgeleitet. Unsere Vorfahren sahen früher nämlich in den mit einem Haarschopf versehenen Pflanzensamen eine Ähnlichkeit zu fliegenden Schwalben.
Da das „Sankt-Lorenz-Kraut“ so giftig ist, halten wir es doch lieber mit einer anderen Pflanze, die ebenfalls nach dem Heiligen Laurentius benannt ist. Die Winzer, deren Schutzpatron er wie erwähnt auch ist, benannten eine Rebsorte nach ihrem Heiligen: Die ersten Trauben des „St. Laurent“-Rotweins beginnen im August zu reifen. Und noch eine kleine Geschichte am Rande: In diesen Tagen sind am Nachthimmel häufig Sternschnuppen (die Perseiden) zu sehen, die im Volksmund als „Laurentiustränen“ bezeichnet werden!



