Vortrag „Der Garten im Innenraum – ein Traum vom ewigen Sommer“

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Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht?
Kennst du es wohl? Dahin!
Dahin möcht‘ ich mit dir,
O mein Geliebter, ziehn.

 

Diese berühmten Verse Johann Wolfgang von Goethes kennt wohl jeder. Und der Traum vom ewigen Sommer, den schon Goethe geträumt hatte, lässt uns bis heute nicht los! Wir alle lieben unsere vier Jahreszeiten – jede davon hält einen beson­de­ren Zauber für Gartenfreunde bereit. Doch über viele Monate des Jahres hinweg ist es doch recht kühl in unseren Breiten: Die wenigen Abende, an denen man bis spät in die Nacht im Garten verweilen kann, sind immer viel zu wenige! Das empfanden die Menschen in allen Zeiten so und so versuchten sie, die Jahreszei­ten zu überlisten und sich ein Stück vom ewigen Sommer in ihre Häuser zu holen. Schon die alten Römer lockten mit farbenfrohen Wand­malereien in den kalten Wintermonaten die Atmosphäre ihrer Gärten in ihre geheizten Wohnräume und erinnerten sich so an blühende Blumenbeete oder daran, wie sich das Sonnenlicht auf den grünen Blättern der Bäume fängt. Man wollte im Innenraum den „ewigen Sommer“ zelebrieren und die Jahreszeiten über­listen, indem man auf künstlichem Wege den Garten ins Haus holte. Auch ließen sich Könige und Fürsten zu allen Zeiten prunkvolle Lusthäuser bauen, um ihren Gärten noch näher zu sein und um bei schlechtem Wetter mit Blick ins Grüne feiern zu können.

SPSG_69_Meissen_Potpourrivase_um1760_DanielLindner_F0018556Besonders perfektioniert wurde diese Suche nach dem ewig blühenden Garten im Innenraum im 18. und 19. Jahrhundert. Man sammelte Pflanzen in Herbarien, ließ Blumen und Gärten in Bildern festhalten. Ganze Gärten aus Zuckerwerk schmückten fürstliche Tafeln, man schuf Porzellan in Form exotischer Pflanzen, ließ Tapeten mit Blumenmustern weben, kein kostbares Gewand kam ohne florale Motive aus. Mit allen Mitteln der Kunst schuf man die Natur nach – und zwar so perfekt, dass man sich fragen musste: Ist die Natur der Kunst oder die Kunst der Natur überlegen? Die Sehnsucht nach Wärme und südlichen Gefilden brach sich überall Bahn. Davon, wie Menschen der vergangenen Jahrhunderte ihren Traum vom Garten auch in ihren Palästen und Häusern Wirklichkeit werden ließen, handelt dieser Vortrag. Lassen Sie sich davon verzaubern!

Dieser Vortrag wird demnächst gehalten für: Pflanzentreffen Knechtsteden.