Vortrag »Pflanzen in Klostergärten, Bibel und Christentum«

Schon in der Bibel spielten Pflanzen eine große, ja ganz entscheidende Rolle: Es gab bestimmte Pflanzen, die das Leben des biblischen Menschen besonderer Weise prägten. Und man denke nur an die Geschichte von Adam und Eva mit dem unerlaubten Genuss des Apfels im Garten Eden! Nach dem Vorbild dieses biblischen Paradieses gestalteten die christlichen Mönche im Mittelalter ihre Klostergärten. In die Gestaltung und Pflege dieser Gärten brachten sie ein umfangreiches Pflanzenwissen ein, dass sie aus der eigenen täglichen Gartenpraxis, aber auch aus der Lektüre antiker Texte gewonnen hatten. Für sie waren die Klostergärten sowohl ein Raum der Meditation als auch ein Ort, der das Kloster mit Heilpflanzen belieferte. Aber natürlich fanden sich in den Klostergärten auch jede Menge Pflanzen, die „nur“ dazu dienten, das Auge und die Seele zu erfreuen. Darüber hinaus wurden im Mittelalter Pflanzen als gern symbolische Bedeutungsträger verwendet. Sie standen für biblische Tatsachen und Begebenheiten, aber auch für bestimmte Gestalten der Bibel. Besonders nach Heiligen, die im Mittelalter eine große Rolle spielten, wurden viele dieser Pflanzen benannt. So kamen beispielsweise Pflanzen wie die Jakobsleiter oder das Johanniskraut zu ihrem Namen, der Weinstock galt als Symbol für Jesus Christus. Aber wer weiß heute schon noch, dass man den Ysop im Mittelalter unter dem Namen Josefskraut kannte?

Besonders um Maria, die Mutter Jesu, rankt sich ein wahrer Blumengarten an Symbolpflanzen, die jeweils einen anderen Aspekt dieser wichtigen Figur des Christentums betonen. Je nach Form, Wuchs oder Farbe von Blättern und Blüten eigneten sich manche Pflanzen besonders als Heiligenpflanze. Gerade den Menschen des Mittelalters war ein fester Kanon an Pflanzen und Blumen bekannt, deren symbolische Bedeutung damals allen klar war: Welche Blume auf einem Heiligenbild zu sehen war, konnte dessen vordergründig offensichtliche Bedeutung sogar in ihr Gegenteil verkehren!

 

Dieser Vortrag wurde unter anderem gehalten für: Pflanzentage Knechtsteden, Essener Biologische Gesellschaft, demnächst für: Gartenbaumuseum Erfurt