Vortrag »Die Kunst der Blumensprache«

„Sag’s durch die Blume!“ Diese oder ähnliche Redewendungen kennen viele, doch was bedeuten sie und woher kommen sie? Die Bedeutung dessen, wenn einer geliebten Person ein Strauß Rosen überreicht wird, kennt wohl jeder. Auch als Symbol der Jungfrau Maria ist die Rose vielen vertraut. Doch dass Luzifer die Kletterrose ersonnen haben soll, um ihre Stacheln als bequeme Leiter in den Himmel zu nutzen, dürfte nur wenigen bekannt sein.

Menschen haben schon immer „Blumen sprechen lassen“. Form und Wuchs der Pflanzen nahmen ebenso Einfluss auf die Symbolbildung rund um eine Pflanze wie die Farbe von Blättern und ihre Blüten, die Gestalt ihrer Früchte oder ihr Duft und die mit der Pflanze zu erzielenden Heilwirkungen. Schon in der Antike waren bestimmte Pflanzen gewissen Göttern zugeordnet. Auch den Menschen des Mittelalters war ein fester Kanon an Pflanzen und Blumen bekannt, deren symbolische Bedeutung damals allen klar war: Welche Blume auf einem Heiligenbild zu sehen war, konnte dessen vordergründig offensichtliche Bedeutung sogar in ihr Gegenteil verkehren!

Auch wurden Pflanzen von Menschen dazu benutzt, sich gegenseitig Botschaften zukommen zu lassen. So dienten Blumen als eine Art Geheimsprache für das, was man sagen oder fragen wollte, aber nicht auszusprechen wagte. Eine Blütezeit erlebte diese geheime Blumensprache in den Serails der mittelalterlichen Sultane, wohin sie wahrscheinlich aus dem antiken Persien gelangt war.

Über Lady Mary Wortley Montagu, die Gattin eines Diplomaten, gelangte dann die Begeisterung für alles Orientalische zusammen mit der Kunst, es „durch die Blume zu sagen“, nach Europa. Auf ihren Auslandsreisen im 18. Jahrhundert hatte sie als Frau die Gelegenheit, Zutritt zu Harems zu erlangen, wo sie auf die „Kommunikation per Blüten“ stieß. Mit ihren „Briefen aus dem Orient“ löste sie in Europa eine Begeisterung dafür aus, selbst über Blumen zu kommunizieren. Die bereits bekannte Geste, sich Blumen zu schenken, wurde in der Folge aufs Äußerste verfeinert. Ein umfangreiches Zeichensystem bildete sich heraus, das fast so kompliziert zu erlernen war wie eine neue Sprache. Mit dem vorgeblich so züchtigen Überreichen von Blumengrüßen wurden nun innigste Geständnisse, Klagen, Wünsche und Bitten übermittelt. So waren etwa Veilchen ein Zeichen für Bescheidenheit und Verschwiegenheit, Freesien symbolisierten Zärtlichkeit. Auch die Farben der gewählten Pflanzen spielten eine wesentliche Rolle! Und so behält wieder einmal die Weisheit eines Johann Wolfgang von Goethe recht, der sagte: „Das Äußere einer Pflanze ist nur die eine Hälfte der Wirklichkeit“!

Dieser Vortrag wurde unter anderem gehalten für:
Gartenbaumuseum Erfurt, Folkwang Museum Essen, Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur, Gesellschaft der Staudenfreunde, Pflanzentreffen Knechtsteden, Freundeskreis Gartenhaus Dingerkus, Manufactum Gartentage, Moyländer Kräutergartenfest, Metall & Form, Augustinum Bonn, Augustinum Dortmund.