Jean-Baptiste de La Quintinie

Als Schöpfer des unvergleichlichen Küchengartens Potager du Roi in Versailles hat sich der geniale Gärtner Jean-Baptiste de La Quintinie (1.3.1626-11.11.1688) einen Platz unter den ganz Großen der Gärtnerzunft gesichert. Nach einem Studium der Rechte und der Philosophie war ihm eigentlich eine juristische Laufbahn vorherbestimmt. Doch vielleicht waren es die Reisen nach Italien und England und die Studien der Schriften von Plinius und Columella, die ihn dazu veranlassten, sich der Gartenkunst zuzuwenden. Einen Auftrag des englischen Königs, sich um seine Gärten zu kümmern, lehnt Quintinie ab und kehrt stattdessen in die Heimat zurück. Bereits 1661 gelingt ihm ein großer Coup: Finanzminister Nicolas Fouquet erteilt ihm den Auftrag, sich um die Gärten seines Schlosses Vaux-le-Vicomte zu kümmern. Dadurch kommt er in Kontakt mit dem genialen Gärtner Le Nôtre, dem Baumeister Le Vau und dem Maler Le Brun, die dort ebenfalls tätig sind. Nachdem ihr Auftraggeber bei Ludwig dem XIV. in Ungnade gefallen ist, tritt Quintinie mit den drei anderen Künstlern in die Dienste des Sonnenkönigs. Ihr Auftrag: Mit dem Schloss und dem Park von Versailles sollen sie nichts Geringeres als das Paradies auf Erden erschaffen! Quintinies Part ist dabei die Anlage eines Küchengartens (Link zum potager du roi setzen). Als „Direktor der Obst- und Gemüsegärten der königlichen Schlösser“ soll er nicht nur die Mägen des gesamten Hofstaats versorgen. Insbesondere soll er die Gelüste des Sonnenkönigs nach frischem Obst und Gemüse rund ums Jahr befriedigen. Wenn der König im Januar Kirschen und im April Feigen will, muss dem Folge geleistet werden. Dass der Monarch rund ums Jahr frische Erbsen zu speisen wünscht, ist zwar ein offenes Geheimnis, aber im Grunde ein Ding der Unmöglichkeit.

Doch Quintinie macht das Unmöglich möglich und erschafft aus einer Sumpflandschaft einen Küchengarten, der mit seiner Ernte rund ums Jahr den naschhaften Gaumen Ludwigs verwöhnt! Mit den fortschrittlichsten Methoden gelingt es dem Gärtner, den Blüte- und Erntezeitpunkt seiner Pflanzen oft um mehrere Monate vorzuverlegen. Dadurch bleibt Quintinie als einer der wenigen Höflinge lebenslang in der Gunst des Sonnenkönigs. Als der geniale Gärtner stibt, soll Ludwig XIV. zu dessen Frau gesagt haben: „Madame, wir haben einen großen Verlust erlitten, der niemals wieder gut gemacht werden kann!“ Glücklicherweise hat Quintinie sein umfangreiches Pflanzenwissen aufgeschrieben. Sein Sohn Michel hat die „Instructions pour les jardins fruitiers et potagers“ nach dem Tode seines Vaters veröffentlicht. Den wunderbaren Potager du Roi kann man in Versailles noch heute bewundern!

Bilder:
Quintinie (Quelle: www. http://commons.wikimedia.org)
Potager du Roi (Quelle: www. http://commons.wikimedia.org)