Gärtnern wie die Rothschilds

Eythrope der legendaere Garten der Rothschilds von Mary Keen

Eythrope der legendaere Garten der Rothschilds von Mary Keen

Normalerweise liest man von solchen Gärten und Gärtnern in den Geschichten einer Vita Sackville-West oder in Gartenzeitschriften längst vergangener Tage. Auch Gartenbücher in solch herausragender Qualität gibt es heute kaum noch. Wer „Eythrope – der legendäre Garten der Rothschilds“ zur Hand nimmt, versteht, warum das Buch zu Recht den Untertitel „Gärtnern in Vollendung“ trägt. Das Anwesen Eythrope der Familie Rothschild in Buckinghamshire wird heute noch mit der gleichen Sorgfalt umfassenden Sachkenntnis früherer Jahrhunderte gepflegt und bewahrt, die man eigentlich für ausgestorben hält. Das ganze Jahr über versorgt das Anwesen den großen Familienclan mit exquisitem Obst und Gemüse, zudem werden erlesene Blumen für Blumenbuketts aller Art selbst gezogen und vor Ort arrangiert. Dass dieser Garten des derzeitigen Lord Rothschild aber in dieser Form existieren kann wurde, ist einem engagierten Team von wahren Gartenmenschen zu verdanken. Der Entwurf zu diesem Garten, der sich am historischen Vorbild der Anlage orientiert, stammt von keiner Geringeren als Lady Mary Keen, die namhafte Gärten in Frankreich, England, Amerika und auf Korfu gestaltet hat und einem breiten Publikum durch ihre Kolumnen im Telegraph und The Garden der Royal Horticultural Society bekannt ist. Als Head Gardener steht Susan Dickinson einem Team von sechs Gärtnern vor. Sie selbst ist Absolventin der legendären Waterperry Horticultural School von Beatrix Havergal und hat sich in so berühmten Anlagen wie Sissinghurst oder dem Arboretum Kalmthout ihre gärtnerischen Sporen verdient, bevor 1990 von Lord Rothschild sie als Head Gardener für seinen Garten gewinnen konnte. Mary Keen stellt ihr Konzept des Rothschildschen Gartens nun in diesem herrlichen Buch ebenso anschaulich und sinnlich wie äußerst fachkundig vor. Jede Seite ist regelrechter Wissensschatz für Gartenbegeisterte und wurde in intensiver Zusammenarbeit mit den Gärtnern Eythropes verfasst. Da werden die Gemüse- und Obstsorten nach lange bewährten Methoden angebaut, in alten Gewächshäusern werden klimatisch empfindliche Tafelfreuden ebenso kultiviert wie seltene und erlesene Pelargonien und Clivien, Platz ist aber auch für spezielle Pflanzensammlungen von Nerinen, Schneeglöckchen, Primeln oder Salbeiarten. Allein die Listen mit vor Ort gezogenen Gemüsen, Obst- und Blumensorten füllt mehrere Seiten. Der Umgang mit all diesen vegetabilen Schätzen wird in ästhetisch anspruchsvollen schwarz-weiß–Bildern gezeigt, das Ergebnis der reifen beziehungsweise blühenden Pflanzen dann in herrlichen Farbaufnahmen und –zeichnungen präsentiert. Großformatige Aufklapp-Abbildungen lassen uns einen Blick in die herrlichen Gewächshäuser werfen; die Bilder des perfekt angelegten Nutzgartens, der seit 1875 in Familienbesitz der Rothschilds ist, lassen den Leser ins Schwärmen geraten. Und so ist das Buch von Mary Keen und dem Gärtnerteam von Eythrope nicht nur rein optisch ein Genuss, sondern eine echte Fundgrube alten und bewährten Gartenwissens und englischer Gartenkultur, die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Mary Keen: Eythrope – der legendäre Garten der Rothschilds. Gärtnern in Vollendung, DVA Verlag 2015