Spaziergang durch die „elysischen Felder“

Am Ausgang des 18. Jahrhunderts ließ Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau einen Park anlegen, der die Gartenkunst wie kaum ein anderer geprägt hat. Schon in seiner Entstehungszeit faszinierte der Park des Fürsten von Anhalt-Dessau die Zeitgenossen. So schrieb etwa Goethe anlässlich seines Besuches in Wörlitz 1787 an Charlotte von Stein: „Mich hat’s gestern Abend, wie wir durch die Seen, Kanäle und Wäldchen schlichen, sehr gerührt, wie die Götter dem Fürsten erlaubt haben, einen Traum um sich herum zu schaffen. Es ist, wenn man so durchzieht, wie ein Märchen, das einem vorgetragen wird, und hat ganz den Charakter der elysischen Felder; in der sachtesten Mannigfaltigkeit fließt eins in das andre; keine Höhe zieht das Auge und das Verlangen auf einen einzigen Punkt; man streicht herum ohne zu fragen, wo man ausgegangen ist und hinkommt.“

Die Anlage rund um den Wörlitzer See mit ihren architektonischen Ausstattungsstücken und Bereichen, die die „wilde Natur“ imitieren, wurde von zahlreichen philosophischen und literarischen Vorbildern inspiriert. In ihrem Buch „Geist und Gefühl. Ein literarischer Begleiter durch den Wörlitzer Park“ macht uns Autorin Anna Zika mit eben diesen Vorbildern vertraut. So schafft sie Voraussetzungen, die den Parkbesucher in die Lage versetzen, diese einzigartige Gartenanlage mit all ihren Gestaltungselementen besser verstehen und würdigen zu können. Denn die Werke britischer Philosophen haben die Entstehung des Wörlitzer Parks ebenso beeinflusst wie die deutsche Dichtung des Sentimentalismus. Doch diese Einflüsse sieht nur, wer um sie weiß. Und so eröffnet uns die Autorin einen ganz neuen, spannenden Blick auf ein bedeutendes Stück Gartenkunst von internationalem Rang!

Anna Zika: Geist und Gefühl. Ein literarischer Begleiter durch den Wörlitzer Park, VDG Weimar 2011.