Die Gartenkunst der Goethezeit

cover-niedermeier-gaerten-der-goethezeitEine Lektüre, die man eben mal „so nebenbei“ liest, sind die „Mitteilungen“ der Berliner Pückler Gesellschaft nie. Immer wieder befassen sie sich mit Themen der Gartenkunst, die man auf so hohem Niveau nur selten in der Rubrik „Garten“ in den Regalen der Buchhandlungen findet. Auch Michael Niedermeiers neue Veröffentlichung  „Angestammte Landschaften, mystische Einweihungsräume und arkadische Liebesgärten. Gartenkunst der Goethezeit“ reiht sich in diese Kategorie ein. Der Autor erschließt anhand von Untersuchungen und Studien der letzten zwanzig Jahre uns Heutigen die Gärten der Goethezeit ganz neu.

Viele Elemente – idyllische Haine, Ruinenarchitekturen, Grotten oder exotische Hütten verzaubern uns zwar, doch können meist nur Fachleute die Bedeutung erschließen, die sie einst für ihre Erbauer hatten. Denn die Landschaftsgärten sollten auf ihre Besucher nicht nur romantisch wirken, sondern auch politische Botschaften vermitteln. Sie dienten ihren Schöpfern als „dynastisch-genealogische, hermetisch-mystische und politische Erinnerungsorte“. Die Gärten und Parks der Fürsten von Weimar, Wörlitz, Potsdam oder Gotha mit ihren Staffagebauten hatten beispielsweise das Ziel, (vermeintlich) uralte Herrschergeschlechter durch die Gestaltung der Landschaft zu legitimieren. Mit ihnen wurden nicht standesgemäße Liebesbeziehungen auf das Wirken naturmagischer Kräfte zurückgeführt, zeigten sich die grünen Paradiese als „erotisch aufgeladene Liebeslandschaften“. Wer die Gärten der Goethezeit unter diesen Vorzeichen zu deuten lernt, wird sie künftig mit ganz neuem, wissenden Blick durchstreifen können!

Michael Niedermeier: Angestammte Landschaften, mystische Einweihungsräume und arkadische Liebesgärten. Gartenkunst der Goethezeit. Band 31, Mitteilungen der Pückler Gesellschaft e.V. Berlin, VDG Weimar 2017